Montag, 16. April 2018

Enfer du Chablais

Nachdem ich in der Toskana stolze 1000 Kilometer pedaliert war, und dabei auch das Kaffee & Wein Trinken respektive Panini-Essen nicht zu kurz kamen, reiste ich am Wochenende direkt ins Waadtland, um am Sonntag noch in die Hölle des Chablais abzusteigen. Was ja zugegeben eine ziemliche Schnapsidee ist, so aus einem Trainingslager heraus noch rasch ein Elite-Rennen mit internationalem Starterfeld mitzunehmen... Und so verwunderte es dann nicht, dass ich nebst den Bleibeinen auch ziemlich den Gagg in der Hose hatte, je näher der Sonntag rückte. Ich wollte Don Carbone auf verschiedenste Weise zum Kneifen überreden, aber er war nicht vom Plan abzubringen, und so kam es, wie es kommen musste...

Start und Ziel waren in Downtown Rennaz, der Parcours von knapp 10 Kilometern war flach, weil in der Rhoneebene, dafür mit fantastischem Panorama mit Blick auf die Dents du Midi. 10 Runden galt es zu absolvieren und weil im Namen der Veranstaltung auch das Wort "Enfer" drin steckt, war die Strecke zusätzlich gespickt mit 1,8 km ungeteerter Holperpiste. Also sozusagen das Paris-Roubaix der Schweiz. Mein Foil trimmte ich deshalb bereits in Italien noch auf "Traktor" mit den superstabilen Ambrosio-Felgen und den unzerstörbaren FMB Collés. Was sich durchaus als smarter Move entpuppte im Verlauf der 2.5 Stunden Renndauer...
Achtung, fertig, päng, auf los ging's los! Ich hatte mich etwas hinten eingereiht, da sich meine Tagesform mässig anfühlte und ich als Ü40-Masters-Fahrerin nicht unbedingt damit rechnete, mit den Pro Teams aus Island, Russland und Frankreich (Jahrgänge alle mit einer 9 vor der letzten Zahl) mitfloaten zu können. Dummerweise gab's nach knapp 700 Metern bereits den ersten Massensturz, ich musste in den Acker am rechten Rand hechten, rasch wieder zurück auf die Strasse hüpfen und somit war das Feld bereits weg. Na merci dann! Das Rennen war also bereits gelaufen, wenigstens küsste ich aber nicht den Boden... Drum stampfte ich also sozusagen ab Start allein, fühlte mich total Scheisse und wollte den Bickel nur allzu gern verwerfen. Ich war aber nicht die einzige, die von diesem Crash behindert worden war, und so rotteten wir uns bald in einem Grüppchen aus 6 Fahrerinnen zusammen. Die ersten beiden Runden waren brutalo hart und extrem schnell, ich sah keine Möglichkeit, diese Pace während dem ganzen Rennen zu halten. Die Puls-Balken waren im tiefroten Bereich und die Sternchen tanzten bereits heiter hinter der Brille. Lagomio! Ich hoffte ehrlich gesagt auf einen Defekt, so wie ihn massenhaft andere Teilnehmerinnen hatten, um das Rennen frühzeitig, aber dennoch einigermassen würdevoll beenden zu können. 

Aber nix da. Traktor ist Traktor, und wenn er erst mal rollt, dann ist er nicht mehr aufzuhalten. Je länger das Race dauerte, umso stärker fühlte ich mich. Daran änderte auch die Staub-Patina nichts, im Gegenteil, auf den 3 Sektoren pro Runde blühte ich jeweils regelrecht auf und stampfte wie ein Ackergaul fröhlich vorne weg. Irgendwann rief uns Don Carbone zu, dass wir "nur" 50 Sekunden Rückstand auf eine Siebnergruppe hätten. Als sozial veranlagter Mensch übersetzte ich diese Information dann husch husch ins Englische und Französische und forderte meine Mitstreiterinnen auf, dieses Loch gemeinsam zuzufahren. Was leichter gesagt ist als getan. Ich verfluchte mich für dieses Vorhaben! Das Tempo konstant noch höher zu halten verlangte alles von uns ab und es war sogar schon schwierig, an dritter Position einigermassen mitzukommen. Aber bereits nach einer Runde hatten wir eine halbe Minute Zeit gut gemacht, also steckten wir weiter alles in diese irrsinnige Aufholjagd  und mussten dabei darauf Acht geben, die Kolleginnen jeweils bei den Wechseln nicht abzuhängen, weil im Alleingang geht so was schon grad gar nicht. Und tatsächlich, wir fuhren nach 2 Runden auf diese Frauengruppe auf und konnten erst mal etwas durchatmen. Das bedeutet im Rennen, dass der Puls vielleicht 10 Schläge nach unten geht und nur noch im hellroten Bereich ist. Anfühlen tut es sich aber wie Wellnessferien, echt jetzt!

Im März am Carbon Cup hatte ich zum Glück gelernt, dass man nicht zu viel selber machen soll und notfalls auch vorne die Beine einfach hängen lassen darf, um nicht alle Körner zu verschiessen und dann am Ende als Letzte über den Zielstrich zu rollen. Also tat ich zwar weiterhin durchaus meinen Teil, behielt aber stets im Hinterkopf, dass der Höllenritt erst am Ende ganz zu Ende ist und ich wollte NICHT als letzte der Gruppe da ankommen. Auf der zweitletzten Runde reduzierten wir drum etwas Tempo, die Gefahr, von der Spitzengruppe überrundet zu werden, bestand zum Glück nicht, und ich überlegte mir mit meinen verbliebenen Radfahrer-Hirnzellen, wie ich es am besten anstellen sollte:

a). Gleich zu Beginn der letzte Runde attackieren.
b). Auf dem letzten Sektor, also gut 2 km vor dem Ziel, versuchen weg zu kommen.
c). Einen Kilometer vor dem Ziel fliehen.
d). 500 Meter vor dem Ziel wegfahren.
e). Pokern und es auf den Sprint ankommen lassen.


Es ist gar nicht mal so einfach, Pro und Kontra abzuwägen, wenn man gleichzeitig auch noch Velofahren muss. a) passierte mir unfreiwillig, weil die Kolleginnen offenbar etwas mehr als erwartet müdeten. Der Speaker faselte etwas von "attaque" als wir zum Glockenbimmeln zum letzten Mal über den heiss ersehnten Zielstrich fuhren. Das wollte ich nicht, denn auch meine Kräfte waren mehr als limitiert und ich konnte UNMÖGLICH die letzten 8.6 Kilometer alleine vorne weg stampfen, zumal auch die Isländerin keine Gelegenheit ausliess, um weg zu kommen. Also Tempo raus und warten, bis alle wieder dran waren. Plan b). schien mir auch etwas gewagt, obwohl ich total gut positioniert war und mir die üblen Schotter keine Probleme bereiteten. Ich kam aber auch da zum selben Schluss wie bei Plan a): es ist zu früh und zu riskant. Natürlich wollte von diesem Punkt an keine mehr führen. Judith, die andere Oma (Tschuldigung!) in unserer Gruppe, wollte sich an dem Punkt tatsächlich in meinen Dienst stellen und meinte, sie bremse gern die Gruppe so gut als möglich aus, so dass ich fliehen könne. War superlieb gemeint, aber meine Beine waren ordentlich leer, der letzte Kilometer war laaaaang und ich wollte nicht kurz vor dem Zielstrich doch noch abgefangen werden. Also blieben nur noch zwei Möglichkeiten. Die Fahrerin aus Trinidad/Tobago und ich beäugten uns kritisch in Position eins und zwei, noch 500 Meter. Sie zog an, ich ging mit. Noch 400 Meter. Was hinten lief, bekam ich nicht mehr mit. Möglich, dass alle anderen Frauen an meinem Hinterrad klebten, möglich dass sie alle weg waren. Who cares? Ich schaltete rauf, trat an, beschleunigte mal eben schnell auf 52 km/h, schoss voll Karacho um die Zielkurven und überquerte den Strich als Zweite unserer Gruppe, aber wohl als einzige, die derart viele Trainingskilometer in den Haxen hatte. Hätte ich ja nie im Leben für möglich gehalten, das so was noch geht. Wie cool war denn das?! Von oben bis unten paniert, völlig ausgepowert und total glücklich habe ich auch diesen Krieg überlebt. Irre!

Sonntag, 1. April 2018

GP Osterhas

50 Runden galt es in Affoltern am Albis zu fahren - bei durchschnittlich knapp 3 Grad und Dauerschiff, dafür aber zusammen mit einer Horde wild gewordener Elite-Ladies. Das Kriterium gestern war superhart, aber total geil! Auf den ersten öppe 10 Runden hatte ich etwas Bedenken, voll um die Ecken zu schiessen, zumal es nicht nur glitschig und das Gebremse meiner Mitstreiterinnen im Pulk etwas unberechenbar war, sondern weil zusätzlich auch noch 4 Paar Gleise den Rundkurs von knapp 900 Metern zierten. Also war ich zu Beginn tendenziell eher am Ende des Feldes, also so beinahe mit einer Radlänge Abstand am Schwanz, total unvorteilhaft, ich weiss, besonders auf der 300 Meter langen Zielgeraden, auf der es einerseits schön fies rauf ging und es ausserdem jedes Mal Punkte zu ersprinten gab, folglich war da das Tempo immer noch etwas horrender und die Hektik unter den Fahrerinnen noch grösser. Also zusammengefasst: hässlich. 


Nach der obligaten "ich höre jetzt auf"-Krise nach knapp der Hälfte kämpfte ich mich zurück ins Feld und traute mich dann sogar einmal, frech mit einem Angriff mitzugehen. Leider gibt's aber für eine Dritte keine Wertungspunkte und ausserdem hatte ich damit dann meine Körner grad auch schon verschossen, so dass ich bald erneut hinten raus fiel und während 4 Runden mehr oder weniger solo fuhr. Mein Kampfgeist war aber ungebrochen und irgendwie gelang es mir dann, wieder Anschluss zu finden. 

Trotz widrigsten Bedingungen machte es unheimlich Spass, zusammen mit 42 anderen Frauen gut eine Stunde zu bölzen, Dreck statt Osterhasen zu fressen, um Positionen zu fighten, und ich bin ehrlich gesagt ziemlich stolz, dass ich den Zielstrich in der ersten Gruppe erreichen konnte. Eine Premiere, ein kleiner persönlicher Erfolg, wenngleich das Resultat auf der Rangliste nicht sooo brillant aussehen mag... Es het gfäget, ich bin unterdessen wieder aufgetaut und trocken und sogar der Schlamm ist wieder ab. Von mir aus darf dann aber jetzt der Sommer gern langsam kommen, von Regen, Schnee, Stürmen und Matsch hab ich genug, danke. 

Montag, 26. März 2018

Schmolke Carbon Cup Teil 3

kurz bevor mir das Lachen verging...
'Komm Mädel,  nicht abreissen lassen! Hopp, hopp, hopp, beiss in den Lenker, komm schon! Fahr das Loch wieder zu, denk an den Wind!' Jaja, wenn das nur so einfach wäre... Ausserdem möchte ich lieber nicht wissen, was die zahlreichen Zuschauer da an der Strecke dann hinter vorgehaltenen Händen tuschelten, sobald ich einmal mehr vorbei gewankt und wieder ausser Hörweite war. Ein Bild des Grauens muss ich abgegeben haben, so zumindest hat es sich angefühlt.

Nachdem ich am Samstag in Mauenheim auf der 5. Etappe wirklich alles restlos raus gehauen hatte, ging am Sonntag in Pfullendorf auf der finalen Etappe nicht mehr viel, obwohl mir diese Strecke mit dem etwas kürzeren Anstieg, der in einer 16%-Rampe gipfelte, an sich besser lag. Auch im Kopf ging nicht mehr besonders viel ausser etwas Selbstbemitleidung vielleicht. Theoretisch hätte ich ja die 55 Minuten plus eine Runde bloss durchradeln und das Ziel auf dem Sattel erreichen brauchen, denn dass ich die Gesamtwertung gewinnen würde, war an sich bereits nach dem 2. Rennwochenende klar. Aber eben. Sobald es Achtung, fertig, los! heisst, kippt in meinem Hirn ein Schalter und dann gibt's nur noch eines, nämlich subito ans Limit und am liebsten grad auch noch etwas darüber hinaus. 
oben Höhenprofil Mauenheim,
unten Pfullendorf

Allerdings war das in den beiden bergigen Etappen zugegebenermassen ein bisschen schwierig... In Mauenheim war die Rampe also echt übel und vor allem laaaaang, die schlecht asphaltierte Abfahrt zurück ins Dorf dann verwinkelt und zusätzlich auch noch mit einer Mur gespickt. Erholung gänzlich unmöglich. Nicht mal der deliziöse Quarkkuchen im Anschluss reichte aus, um über Nacht vollständig zu regenerieren. Vielleicht hätte ich das ganze Buffet verschlingen müssen?

Jedenfalls war ich dann am Sonntagmorgen ziemlich groggy und wollte eben nur eines, den Tag überleben. Dieses Mal ging dieser Plan immerhin auf, wenn auch gefühlt nur knapp. Wenigstens habe ich im Ziel dann nicht über den Lenker gereihert, so wie das die erste Dame tat. Sie schaffte es nämlich kaum noch bis zur Flower Ceremony auf der gegenüberliegenden Strassenseite. Ansonsten gibt's nicht viel zu sagen: Das Racen tat an beiden Tagen so weh wie seit Paris Roubaix ab etwa Kilometer 160 nicht mehr, taktieren konnte ich nicht, weil ich am Berg einfach viel zu wenig Power hatte um dran zu bleiben und dann allein in der Fläche zwar jeweils probierte, wieder an ein Grüppchen ran zu fahren, dies aber im Gegenwind schier unmöglich war und ja... Immerhin lachte an beiden Renntagen die Sonne vom Himmel, so dass es endlich, endlich die ersten zaghaften Bräunungsrändchen gab.
Rangverlesen im Rest. Frieden

Ausser Spesen nix gewesen trifft es wie gesagt ganz und gar nicht, denn ich habe mir in den vergangenen 16 Tagen nebst 3 Tagessiegen und der erfolgreichen Verteidigung des ersten Leadertrikots meines Lebens eine gewisse Rennhärte geholt, von der ich hoffentlich in der weiteren Saison profitieren kann, dabei ganz nebenbei immer flotte Leute kennengelernt und erst noch regelmässig schöne Blümchen mit nachhause nehmen dürfen. Trotz Müdigkeit ist mein Endorphinspiegel massiv erhöht, meine Freude am Pedalieren ungebremst und ich habe definitiv Lust auf mehr. So eine coole Sache, dieser Schmolke Carbon Cup!!!

Montag, 19. März 2018

Schmolke Carbon Cup Teil 2

Nachdem ich das erste Rennwochenende mehr oder weniger allein im Wind (und Regen) verbracht habe, nahm ich mir für die 3. Etappe vor, taktisch klüger zu fahren, sprich: so lange wie möglich im Hauptfeld dabei zu bleiben, und wenn ich dann erst mal wieder wegfiele und falls sich dennoch ein Grüppchen formieren liesse, möglichst wenig zu arbeiten um Körner zu sparen. Guter Plan. Wir wissen aber alle, dass Pläne generell meistens nur so lange funktionieren, bis sie den Erstkontakt mit dem Feind machen. So also auch in Volkertshausen, einem Rundkurs von 3.7 km mit nur einer kleinen Steigung gleich nach dem Startstrich… Die erste Runde fuhr ich also elegant im Feld der Herren mit, worüber ich extrem froh war, denn die Fahnen standen stramm im frischen Wind. Am Stützli dann wurde fröhlich gekickt, ich liess mich aber nicht stressen, denn auf der folgenden Welle würde das Tempo ja wieder etwas zusammenfallen und ich könne ja dann wieder andocken, bevor’s zum zweiten Mal in den Gegenwind ging. Falsch gedacht, war ja klar. Die Jungs kickten grad noch einmal, es gab eine Art Streufeuer oder Konfettiregen, ein paar Junioren fielen sofort weg, weil ihnen die Kraft einfach noch fehlte, einige Senioren ebenfalls. Und ich. 

Also kämpfte ich mich allein durch den Wind, konnte mich aber nach etwa einem Kilometer wieder an zwei Herren rankätschen. Und jetzt wurde es richtig, richtig schlimm… Einer der beiden Top, der andere Flop, einer kooperierte, der andere sabotierte. Und zwar ziemlich heftig inklusive hinten ins Rad rein fahren und in den Acker abdrängeln. Ich fluchte innerlich und äusserlich, konnte dafür aber das Taktieren bestens üben, indem ich zum Beispiel auch vorne einfach mal die Beine total hängen liess und wir wirklich nur noch im Standgas rollten… Nach zwei weiteren Runden Psychospielchen zersprengten wir unser Grüppchen selber, so dass am Ende jeder einsam für sich litt und trampelte. Offenbar hatte hier einer ein Problem damit, dass auch Frauen im Männerfeld mitfuhren und musste dies physisch demonstrieren, indem er einen sagenhaften Vorsprung von 5 Sekunden ins Ziel rettete. Ich hoffe, er hat sich über seinen Triumph gefreut und dass er dabei nicht übersehen hat, dass auch er von einem grossen Männerfeld überrundet wurde. Jänu.

Am Samstag fiel ich zwar hundemüde, aber auch happy ins Bett. Mein letzter Gedanke an jenem Tag: Sollte am Sonntag tatsächlich wie vorhergesagt Schnee liegen, würde ich nicht starten. Schon wieder ein Plan. Der Schnee lag also dann morgens in seiner ganzen Pracht da, doch Don Carbone beschloss, dass wir trotzdem für die Gesamtwertung fahren, wäre ja sonst auch irgendwie doof, so ein DNS. Also reisten wir ins tiefverschneite, nordöstliche Hegau, genauer gesagt nach Zoznegg, wo die Schneemaden am Strassenrand also ohne Übertreibung fast einen Meter hoch lagen. Nur die Harten kommen in den Garten! Die 6 km lange Strecke zog sich durch eine Hochebene, durchaus attraktiv, wie ich fand, aber auch wieder sehr exponiert und vor allem saukalt. Mit Windchill im doppelstelligem Unternullbereich… 

Eigentlich musste ich ja bloss ins Ziel kommen, um die Führung in der Damenwertung zu verteidigen. Dennoch wollte ich möglichst lange im heute arg reduzierten Starterfeld mitfahren um a) Körner zu sparen und b) eben taktisch mehr dazu zu lernen. Gesagt, getan. Dieses Mal schaffte ich es gut 40 Minuten, bis zwei Buben, die selbstverständlich bis dahin keinen Streich gearbeitet hatten, einen Angriff lancierten und ich dann hinten raus fiel. Immerhin wurde ich kein einziges Mal überrundet und erreichte dann im Gruppetto fröhlich mit den Zähne klappernd das Ziel, wo ich ein herziges Eisblumenbouquet überreicht bekam. An dieser Stelle möchte ich mich bei den Jungs bedanken, die mir zwar nichts geschenkt haben, mir aber ein hartes, faires Rennen lieferten! Ausserdem gab’s eine geheizte Festwirtschaft mit weltklasse Hefestollen und heissem Kaffee, so dass ich 3 Stunden nach Zieleinfahrt endlich auch meine Zehen wieder etwas spürte. War schon echt verrückt!

Montag, 12. März 2018

Schmolke Carbon Cup Teil 1

Wie könnte es auch anders sein? Auch diese Wettkampfsaison habe ich vergangenen Samstag in Gaienhofen-Horn bei 6 Grad und Dauerschiff eröffnet - dafür gab's dann nicht nur viel Dreck zwischen die Zähne (wobei: Da ich ziemlich per sofort aus der grossen Gruppe bestehend aus Junioren, Senioren und Elitedamen flog und die 55 Minuten + 1 Runde im Grunde nur gegen mich selber fightete - und dafür dann eben etwas weniger paniert als die Jungs das Ziel erreichte), sondern auch ein hübsches Blümchen und ein flottes Leadertrikot - übrigens das erste meines Lebens. 

Dieses galt es bereits gestern zu verteidigen, denn der Carbon Cup besteht ja aus 6 Etappen an drei Doppelwochenenden... Einziges Ziel für die Etappe in Mühlhausen-Ehingen war, länger dran zu bleiben. Gesagt, getan. Eine Runde überlebte ich, doch dann war ich bereits nicht mehr in der Lage, auch nur ansatzweise mit der Kickerei der Herren mitzuhalten. Also wieder raus aus dem Hauptfeld. Ich rottete mich aber schnell mit einem langen, dünnen Junioren und einem 74-jährigen Opa zusammen, der mich netterweise unter seine erfahrenen Fittiche nahm.

Jaja, ich habe noch viel zu lernen. Theoretisch weiss ich zwar, wie man Radrennen fährt, aber praktisch?! Nach 33 Minuten und viel zu viel Führungsarbeit war ich bereits wieder total im Eimer und wollte schon abreissen lassen. Doch das Öpeli klatschte mir einmal kräftig auf den Rücken, liess einen elsässischen Schwall von sich und hobla, weiter ging's! Eine Runde lang versteckte ich mich ein wenig hinter seinem Alu-Rechen, doch irgendwie fühlte ich mich mies dabei, so einen deutlich ergrauten Senioren für mich arbeiten zu lassen. Der kleine, dünne Junior aber war ebenfalls völlig leer und konnte bergauf gar nichts mehr drücken, so dass ich dann eben wieder nicht mit der Vernunft, sondern mit meinem Kämpferherz fuhr. Tja. Zuerst überrundete uns die Spitzengruppe der Jedermänner, mit denen wir dann eine gute halbe Runde mit floateten, mussten aber an der Steigung wieder abreissen lassen. Dasselbe etwas später mit der Spitzengruppe der Lizenzfahrer. Aber: Wir überlebten, überrundeten sogar die anderen Damen meiner Kategorie, kämpften fröhlich weiter und im Ziel erhielt ich dann noch einige nützliche Überlebenstipps für die Zukunft und den grossväterlichen Rat, ich solle mich doch einfach auf Zeitfahren spezialisieren. Eben. Leckeren Apfelkuchen, das Leadertrikot und Blümchen Nummer 2 gab's obendrein noch mit dazu.

Und überhaupt: ich hatte an beiden Renntagen einen Heidenspass, total super lieb organisierte Rundenrennen auf komplett gesperrten Strecken - davon können wir in der Schweiz ja leider nur träumen... Ich liebe es, mich innert 3 Minuten in den hochroten Bereich zu katapultieren, immer kurz vor dem Herzinfarkt, Leben am Limit, egal ob solo oder in einem Gruppetto. Hauptsache, die Schmerzen lassen die Endorphine tanzen!

Dienstag, 6. Februar 2018

Honeymoon auf Fuerteventura

Wenn du diesen Beitrag aus reiner Sensationslust angeklickt hast, also weil du dachtest, Mrs S hätte in fortschreitendem Alter mal wieder etwas total Unvernünftiges getan, dann muss ich dich enttäuschen. Nein, eine Honeymoon war’s nicht, Liebesurlaub trifft es vielleicht schon eher. Denn meine grosse Liebe, das Fahrrad, war natürlich mit auf der Insel. Und der Liebste zum Glück ebenfalls, mit dem ich die romantischen abendlichen Spaziergänge im Vollmondschein entlang der Strandpromenade auch enorm genoss!

Fuerteventura auf den Kanaren, wo das Wetter das ganze Jahr über top ist und selbst der Winter konstant mit milden 20 Grad zum Radeln in kurz-kurz einlädt. Naja, dieses Mal war alles anders, und glücklicherweise haben wir unsere Winter- und Regenausrüstung mitgeschleppt. Über meine froschähnlichen VéloToze-Gummiüberschuhe, die Langfingerhandschuhe im Giro-Mädchen-Look und mein kuscheliges Gabba wurden anfangs Woche noch frech Witze gemacht, aber spätestens beim ersten Wolkenbruch lachte dann ich. Ganze zwei Tage hatten wir Sonnenschein, allerdings kombiniert mit orkanartigen Winden, so dass das Velofahren echt kriminell war. Ansonsten wurden wir auf jeder Tour mindestens 2 mal verpisst, was aber meinen Spassfaktor ehrlich gesagt wenig beeinflusste, ausserdem war die Regenbogenquote dadurch gigantisch hoch. Möglicherweise härtet Training in garstigem Wetter sogar auch ab und wer weiss, vielleicht nützt mir das ja dann irgendwann mal was. Zudem hatte ich immer sehr nette Begleitung mit dabei, die dafür sorgte, dass ich einerseits immer perfekten Windschatten hatte und andererseits war diese auch darauf bedacht, meinen Insulinspiegel immer ordentlich hoch zu halten. Darüber hinaus waren die Herren froh, dass ich mit meinen rudimentären Spanischkenntnissen wenigstens immer den richtigen Kaffee bestellen konnte. Leider konnten wir wegen des Wetters nur einmal in die Berge, aber es kamen dennoch gute 630 Kilometer in rund 24 Stunden zusammen, was angesichts der oben beschriebenen Umstände nicht so schlecht ist. 

Das Leben als Velofahrerin ist zudem total entspannt. Während sich die einen Tri UNITED Kollegen früh morgens in den angeblich beheizten Pool warfen und dann Zähne klappernd und mit blauen Lippen zum Frühstück erschienen, während andere Kollegen im Morgengrauen ihre Läufli absolvierten, konnte ich erstens ausschlafen und dann ganz chillig etwas Yoga am Strand machen, alle Knochen durch bewegen, die Muskeln geschmeidig halten und so die Tage relaxed beginnen. Hinten raus wurde es dann aber manchmal doch etwas eng, denn die Veloputzerei jeden Tag nahm doch ziemlich viel Zeit in Anspruch. Okay, ich gebe es zu: Ich habe höchstens assistiert, tendenziell lag ich eingemummelt im Liegestuhl unter dem Dach, während mein Liebster Sand, Teer und überfahrene Regenwürmer von den Rädern schrubbte. Das nennt sich Arbeitsteilung. Und wenn ich so gehört habe, wie sich andere Paare ihre Hausarbeit teilen, dann bin ich doch einfach nur total happy, dass Don Carbone sich immer liebevoll um meine grosse Liebe kümmert. 



Sternstunde Philosophie gab’s jeweils zum Nachtessen gratis mit dazu, die Themen reichten von Pädagogik, Methodik, Trainingslehre, Supplementierung und Familienplanung bis hin zu Kosmetika, Flauschipullover, sockenfressende Waschmaschinen, die besten Kochrezepte respektive geeignete Taktiken zum Wocheneinkauf und wer einen wie grossen Weinkeller hat und wie gut der bestückt ist… Oder in anderen Worten: Wir hatten es einfach saumässig gut zusammen!