Sonntag, 25. Juni 2017

Die WM ist für alle

Zuerst einmal: ich bin froh, dass mich heute keine Schnappschildkröte im Märwiler Riedt angefressen hat. Es gab zwar einige Prügeleien im Wasser, aber das haben wir im Festzelt nach dem Rennen Team intern bereits wieder klären können.

Die unterdessen offizielle Wurst und Brot WM ist und bleibt einer der tollsten Wettkämpfe der Welt! Ein Anlass mit langer Tradition (30 Jahre, um genau zu sein), das halbe Dorf hilft mit, die andere Hälfte steht an den Strecken und feuert einem voller Inbrunst an, auf dem Festgelände geht es her und zu wie bei einem fröhlichen Schwing- und Älplerfest. Ein junges, dynamisches OK hat am prähistorischen Konzept nicht viel verändert, ausser vielleicht bei den Finisherpreisen, da gab’s vor 30 Jahren für alle eine Zitronenpresse, heuer ein mit viel Liebe gebackenes Küchlein und einen güldenen Krug. In diesem einen Sonntag im Juni steckt sooooo viel Herzblut, das glaubt man kaum.

Das Schwimmen ist ja für meinen Geschmack viel zu kurz, gerade mal 200 Meter gibt’s zu paddeln im trüben Teich. Also ist der Spuk nach 3 Minuten bereits vorbei und der lange Lauf in die Wechselzone lässt mich zum ersten Mal an diesem Tag fast in Ohnmacht fallen... Als Wechselkönigin  fliege ich über den Balken, schwinge mich elegant aufs Rad, tammi, die Schuhe klemmen mal wieder, die Gümmeli reissen nicht,... Egal. Voll Garacho stürze ich mich hinunter ins Tal nach Bussnang, von wo aus es dann in Wellen oder wahlweise über Rampen stetig wieder rauf geht bis zum höchsten Punkt bei Wolfikon-Strohwilen, bergauf immer nett ein Männergrüppchen am Hinterrad klebend, welches mich dann auf der Kuppe einfach so stehen lässt, nicht grad besonders charmant... Vielleicht fehlte mir heute aber auch einfach der nötigen Biss. Item, am Ende darf ich die schnellste Radzeit des Tages ins Milchbüechli eintragen, und zwar satte 2 Minuten schneller als die nächste Lady, also nicht schlecht für eine 20km lange Strecke.

Aber da Triathlon ja das Wörtchen „tri“ enthält und das ein Präfix der griechischen Sprache für ‚drei(fach)‘ ist, kommt am Ende immer noch das Läufli. Dieses ist in Märwil eher überdotiert mit 7 Kilometern, inklusive dem gefürchteten Chäsi-Stich, der im Winter von den Kids der Gegend als Schlittelpiste benutzt wird. Meine Lauf-Uhr habe ich schon seit Wochen nicht mehr benutzt, aber es fühlt sich gar nicht mal so übel an. Also zumindest die ersten paar Meter, bis es dann zum ersten Mal einen Anstieg gibt und dort unser Team-Paparazzo das schrecklichste aller Fotos ever von mir schiesst, so dass die Kamera spontan den Geist aufgibt. Ich fighte vor allem gegen meinen inneren Schweinehund... Nach knapp der Hälfte der Strecke ruft mir so ein blonder Dreikäsehoch voll herzig „Hopp, schöni Frau“ zu, was mich enorm beflügelt. Möglicherweise habe ich mich auch verhört, das weiss ich nicht so genau. 3 Kilometer vor dem Ziel überholt mich dann die erste Dame, einen Kilometer später die zweite, c’est la vie... Ich beisse dennoch bis zum bitteren Ende durch und überquerte als 2. Seniorin und 3. Frau overall den Zielstrich.
 

Getreu dem Motto "citius, altius, fortius" lässt sich auch  unsere TriUNITEDbyCHRISsports-Teamperformance sehen: einmal Gold, zweimal Silber und einmal Leder. 

Unsere lokale Weltmeisterschaft ist somit bereits wieder Geschichte, aber neue Pläne wurden schon geschmiedet und ich verrate nur so viel: es wird lustig weiter gehen...

Freitag, 23. Juni 2017

Tour de Thurgovie

Die vergangene Woche habe ich zusammen mit 35 Fünft- und Sechstklässlern und 5 LehrerkollegInnen im Sattel verbracht. Bei hochsommerlichen Temperaturen sind wir einmal um den ganzen Kanton Thurgau geradelt. Dabei legten wir auf 5 Etappen insgesamt gut 180 km im absoluten Grundlagenmodus (mit 2-stelligem Puls der Frau Lehrerin) zurück. Einzig ein 6. Klässler konnte bei meinen Täfelisprints bis zum letzten Tag mithalten. Aber er wünscht sich zum 14. Geburi trotz gutem Zureden meinerseits lieber ein Mofa statt ein Rennvelo... Tja.

Das Velofahren war bei der Hitze ziemlich anstrengend, umso mehr freuten wir uns jeweils auf die Abkühlungen in den Thurgauer Seen, wo es immer noch eine Sprungbrett-Session oder ein Wer-ist-zuerst-beim-Floss-Rennen und Wer-traut-sich-vom-Floss-einen-Seemannsköpfler-zu-machen-Wettkämpfli gab. Das kleine Mädchen in mir startet immer voll durch – einfach herrlich! Zu guter Letzt dann auch noch eine kleine Mutprobe, bei der wir mit Taschenlampen bewaffnet durch die engen Lüftungskanäle einer alten Sandsteinhöhle robbten. Paniert bis in die Nasenlöcher, was für ein Gaudi!

Um nicht ganz aus der Übung zu kommen, habe ich mich Mitte Woche dann aber noch rasch für 3 Stunden davon geschlichen, um am Tri-Bodensee-Club-Zeitfahren die Wellen um Muolen platt zu fahren. Als Fischfutter wurde ich da vor die Haie geworfen, wie auf dem Foto unschwer zu erkennen ist. Mit einer Hammerzeit erreichte ich nach 21 km und einem 38.7-Schnitt den Zielstrich, wo ich mir noch schnell ein paar Salznüssli vom Zvieri durch den Kopf gehen liess. Das einzige Training der Woche, dafür all out.


Allein auf den Schlafentzug hätte ich verzichten können. Aber Mrs S kann dann am nächsten Morgen trotzdem in ihren sexy Velohudlen fröhlich auf der Gitarre klimpern, bis alle Kinder verknittert aus dem Stroh gekrochen sind. Die Stimmung in meiner Terminator-Velogruppe war immer super, die 7 Unerschrockenen kennen nun sogar den Belgischen Kreisel, was leider keine Kernkompetenz des Lehrplans 21 ist. Sie haben immer alles gegeben, gebissen, gelitten und literweise geschwitzt. Ich bin extrem stolz auf sie! Und wir haben viel gelacht und Schabernack getrieben. Also eine rundherum phänomenale Woche mit Action auf dem Velo, im Wasser und zu Land!

Sonntag, 18. Juni 2017

Le Mur von Steinmaur

So ein Velorennen erinnert mich irgendwie an die Pausenplatzschlägereien von früher... Obwohl sich da die Erinnerungen in der Zwischenzeit vielleicht auch etwas verklärt haben, ist ja schon ein Weilchen her, seit ich im Namen von Gerechtigkeit die bösen Buben verklopfte. Seither ist viel passiert, ich bin hoffentlich etwas zivilisierter und gelassener, aber diese Fights, die mag ich immer noch. Die haben so etwas Grundehrliches, auch wenn sie brutal hart sind.

Also reihte ich mich heute Morgen wieder mit einem Rudel Mädels - die jüngsten im Feld hatten den selben Jahrgang wie mein Erstgeborener – ein zu einem weiteren Frauencup GP, dieses Mal in Steinmaur ZH. Ich freute mich unheimlich auf die 10 knackigen Runden, auch wenn mir schon vor dem Start bewusst war, dass es kein Honigschlecken werden würde.

Bereits auf der ersten Runde fiel das Feld auseinander. Keine Ahnung, was es dieses Mal war, auf alle Fälle befand ich mich nun in der 2. Gruppe und war bereit, da alles zu geben und nicht wie neulich das Handtuch werfen zu wollen. Einen Grind habe ich ja wie kaum eine andere. Und so habe ich dann gefühlte 80% der Führungsarbeit während knapp 2 Stunden geleistet. Was aber bei meiner Gruppe recht gut ankam, wie ich dann im Ziel erfuhr...

Bergfloh werde ich allerdings nicht mehr, die 20 Anstiege waren einfach nur hässlich und als Triathletin fehlt mir da auch die nötige Technik: in hoher Kadenz zu kürbelen, bis die Beine fast unsichtbar werden statt mit viel Kraft versuchen den Berg platt zu machen. Hä jo, ich bin ja lernfähig, learning by doing sozusagen. Gelegentlich liess ich dann aber doch den Kopf kurz hängen und schwupps, schon war das Hinterrad weg, ein Loch klaffte auf, welches ich dann selbstverständlich selber wieder zustampfen durfte. Wird einem ja nichts geschenkt.


Auf den letzten Kilometern dann wollte natürlich niemand mehr führen, so dass ich mehrfach versuchte auszureissen. Leider, leider explodierten meine Haxen zum Ich-weiss-nicht-wievielten-Mal an diesem Morgen und auf der Zielgeraden hatte ich dann schlicht keine Power mehr für einen souveränen Sprintsieg. Das Preisgeld reichte grad für ein Glace und für eine Bratwurst für meinen weltbesten Betreuer. Und Spass gemacht hat’s extrem!

Kommende Woche kann ich mich ja auf der Tour de Thurgovie erholen, zwar auch im Sattel, aber hoffentlich im Grundlagenmodus zusammen mit fast 40 Kids. Ausser, ich werde von einem 14-jährigen noch zu einem Bergsprint herausgefordert. Dann müsste ich mir das grad noch einmal überlegen... 

Montag, 22. Mai 2017

Auf der Suche nach dem Glück

Sun, fun & something to do
Manchmal frage ich mich ja schon, wieso ich das immer wieder aufs Neue mache, so einen Triathlon... Einen Triathlon vor heimischem Publikum, wohlbemerkt, bei dem ich schon Tage vor dem Showdown das übelste Muffensausen habe und mir Versagensängste zuweil den Schlaf rauben. Ist es nicht per se absolut sinnlos, sich in ein Schwimmbecken voller Menschen zu werfen, sich zwischen denen durchzuzwängeln, sich anschliessend klatschnass aufs Rad zu schwingen und das Ganze dann noch mit einem Läufli quer durchs Quartier abzurunden, wo mich meine versammelte Nachbarschaft bemitleidet?

Um in so einer „Sinnkrise“ was Gescheites oder gar Amüsantes zu bröseln, das fällt mir echt schwer... Denn es war ja wie immer: ich zog in die Schlacht, machte mein Ding und lief schliesslich durchs Ziel. Was treibt eine Frau im besten Alter dazu an?!


Mit dem Holzrad unterwegs zur Rampe
Ich freue mich schon im Vorfeld ungemein über die vielen altbekannten Gesichter, die anzutreffen sein werden, Teamkollegen, Konkurrentinnen, Helfer, Fans. Mir gefällt die Nervosität vor dem Start, der flaue Magen und wie ich dann kurz vor dem Start zur absoluten Ruhe komme. Ich finde es toll, wenn ich dann ins Becken springe, untertauche, alles um mich herum vergesse, nur noch meinen Puls rasen höre, meine Muskeln spüre, das Brennen in Armen und Beinen und das Wasser, das mich trägt. In der Wechselzone dann höchst konzentriert, aber so schnell wie nur irgendwie möglich den Helm aufsetzen und die Nummer umschnallen, raus semmeln, aufspringen und mich auf das Dröhnen des Scheibenrades freuen. Ich finde es berauschend, wenn es mir gelingt, die Idealline zu erwischen und mir auf den Abfahrten der Wind nur so um die Ohren braust. Ich liebe es, meinen Herzschlag bis zum Hals zu spüren, das Brennen in der Lunge, und zu merken, dass der Körper bereit ist, voll ans Limit zu gehen. Und dann, wenn ich auf die letzte Gerade vor der Wechselzone einbiege, die Schuhe im Flug schon ausziehe, die Zehen endlich wieder Luft bekommen und ich gleichzeitig meine Gedanken wieder sammle um mich auf das abschliessende Laufen einzustellen, sogar das ist schön. Und das Laufen, das ist einfach hart, immer. Trotzdem macht es mir Spass, auch wenn mir das keiner glaubt. 
Zum 5. Mal in Serie TG Triathlon-Meisterin 
All die Menschen, die da stehen, klatschen, rufen, winken, das tut soooooo gut und beflügelt mich enorm. Ich freue mich sogar, wenn dann oben erwähnte Konkurrentinnen irgendwann an mir vorbei ziehen, weil es einfach genial ausschaut, wenn Gazellen rennen. Auf der letzten halben Runde, da spüre ich eine solch grosse Erleichterung, denn bald ist es geschafft,  dann setze ich zum Finish an und weiss, auch das geht noch. Und im Ziel bin ich dann in der Regel total ausgepowert, aber dennoch im Glücksrausch. Und wenn ich dort dann um mich schau und all die erhitzten Gesichter und strahlenden Augen erblicke, all die Menschen, die wie ich während knapp zwei Stunden ihr Bestes gegeben haben, dann erfüllt mich auch das. Ist also recht simpel, meine Anleitung zum Glücklichsein...